Warum in Brewpire keine Linie gerade ist

Bisher hat hier meistens Jannik geschrieben – über Timer, über den Boden und die Decke, über alles, was man in Zahlen erklären kann. Heute bin ausnahmsweise ich dran. Denn alles, was ihr in Brewpire seht, kommt von Hand: jede Tasse, jede Fensterbank, jede Falte in Nomis Schürze. Und die wichtigste Regel dabei klingt erstmal komisch – bei uns ist absichtlich nichts gerade.

Der erste Laden war zu schön

Meine allererste Version von Omas Café war ordentlich. Saubere Kanten, gerade Regale, gleichmäßiges Licht. Es sah aus wie aus einem Katalog – und genau das war das Problem. Es fühlte sich an wie ein Möbelhaus, nicht wie ein Ort, an dem seit dreißig Jahren Kaffee gekocht wird.

Also habe ich angefangen, alles wieder ein bisschen kaputtzumachen. Die Theke bekam eine Delle da, wo tausend Tassen abgestellt wurden. Ein Regal hängt minimal schief. Die Tapete ist an einer Ecke verblasst, weil da jeden Nachmittag die Sonne draufsteht.

Nahaufnahme der Café-Theke: eine abgewetzte Delle im warmen Holz, ein paar alte Kaffeeflecken und daneben Nomis viel zu große Salbei-Schürze über einer Stuhllehne.
Die Delle in der Theke hat niemand geplant – aber ohne sie wäre es nicht Omas Laden.

Ein perfekter Raum sieht neu aus. Ein warmer Raum sieht benutzt aus.

Handgemalt heißt: man sieht die Hand

Ich zeichne nicht am Reißbrett, sondern mit dem Stift aufs Display, Strich für Strich. Das heißt: Keine zwei Linien sind exakt gleich. Das Fenster links ist ein Härchen anders als das rechts. Und das ist Absicht. Sobald etwas perfekt gespiegelt oder exakt wiederholt ist, merkt das Auge sofort „Computer“ – auch wenn man nicht sagen könnte, warum.

Am längsten sitze ich übrigens nicht an den großen Dingen, sondern an den kleinen: dem Dampf über der Tasse, dem Fleck auf Jonas’ Kapuze, der einen Fliese, die nicht ganz passt. Niemand schaut sie bewusst an. Aber zusammen ergeben sie das Gefühl, dass hier jemand wohnt.

Licht ist die halbe Geschichte

Woran ich am meisten hänge, ist das Licht. Der Laden folgt ja der echten Uhrzeit – morgens der kühle Kaffee-Rush, nachmittags dieses goldene Fenster, abends warm und gedämpft. Für jede Tageszeit male ich eine eigene Stimmung. Dasselbe Café fühlt sich um acht Uhr morgens anders an als um acht Uhr abends, ohne dass sich ein einziges Möbelstück bewegt.

Der goldene Nachmittag ist mein Liebling. Es ist genau die Stunde, in der man am liebsten reinkommt, sich hinsetzt und nichts muss.

Ich male keine Räume. Ich male Tageszeiten, in denen zufällig ein Café steht.

Mitsu bekommt die meiste Sorgfalt

Und ja – Mitsu, die Katze, kostet mich mehr Zeit als jede andere Figur, obwohl sie spielerisch überhaupt nichts tut. Aber sie ist das Herz von jedem Bild. Wie sie liegt, wie ihr Schwanz zuckt, wie sie in der Sonne fast zerläuft: Wenn Mitsu sich gemütlich anfühlt, fühlt sich der ganze Laden gemütlich an. Sie ist mein Prüfstein. Sieht Mitsu zufrieden aus, ist das Bild fertig.

Mitsu, die Katze, döst in der goldenen Nachmittagssonne auf der Fensterbank, das Fell vom warmen Licht durchleuchtet.
Mein Prüfstein: Sieht Mitsu zufrieden aus, ist das Bild fertig.

Wenn ihr Brewpire später öffnet und für einen Moment denkt „hier würde ich gern sitzen“ – dann waren die krummen Linien richtig. Genau dafür mache ich sie krumm.

— Annalena

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